Game of Sayn & Coaching
Egal ob im Coaching, in meinen Lehrveranstaltungen für Studierende oder meinen Workshops - mir geht es immer erst einmal darum, das soziokulturelle ‘Drumherum’ sichtbar zu machen, das unser individuelles Erleben und Verhalten umfasst und formt. Die ungeschriebenen Gefühlsregeln, die uns ein Lächeln auf die Lippen zaubern oder uns eine ernste Miene aufsetzen lassen; die zwischenmenschlichen Dynamiken, die oftmals wie von selbst abzulaufen scheinen, ohne dass wir uns dessen bewusst wären, so dass wir uns stets in der Position der Vermittlerin/ Anführerin/ Rebellin wiederfinden; die sprachlichen Rahmen, in die wir automatisch rutschen, wenn wir Probleme beschreiben und angehen. Aber weil diese soziokulturellen Normen und Praktiken größtenteils unsichtbar für uns sind, bleiben wir zumeist der individuellen Ebene verhaftet. Das gilt auch dafür, wie wir das Thema ‘Veränderung’ angehen. Wenn wir jedoch mehr Sayn - mehr Resonanz, Verbundenheit, Sinnhaftigkeit, Poesie - in die Welt bringen möchten, müssen wir ebendiese kulturelle Logik in den Blick nehmen. Und die können wir nur kollektiv verändern.
Beim Game of Sayn oder Saynsspiel machen wir genau das: die Teilnehmenden erspielen sich zusammen neue Seins-/Saynssweisen. Und weil soziokulturelle Normen und Praktiken buchstäblich in unseren Körpern und Gehirnen verankert sind - und es sich deshalb komisch/ beängstigend/ schlicht falsch anfühlt, anders zu denken, handeln oder interagieren - greife ich mit Vorliebe auf die Künste, v.a. die ‘performing arts’, zurück, um diesen Prozess in Gang zu bringen. Schließlich weiß auch ich nicht, wie genau eine neue, bessere kulturelle Logik aussehen soll bzw. wie sich diese in neue Fühl-, Denk- und Verhaltensweisen übersetzen ließe. Deshalb ist der Ausgang des Saynsspiels offen. Wohin uns das gemeinsame Experimentieren und Spielen führen wird, finden wir im Tun selbst heraus.
Auch mein Coaching-Ansatz folgt diesem Prinzip: unsichtbare Normen und Ideale sichtbar machen, um neue Handlungsspielräume zu schaffen.